Schubert, sehr wienerisch

Schubert, sehr wienerisch

Wenige Tage nach dem Tod Paul Badura-Skodas erschien diese CD mit Schubert-Produktionen aus den Achtzigerjahren. Der Pianist hinterlässt ja ein reiches Erbe an Musik-Aufnahmen, die seine Karriere vom virtuos-draufgängerischen Frühstadium bis zum abgeklärten Spätherbst eines hisorisch vollständig informierten, im besten Sinne des Wortes "gelehrten" Interpreten dokumentieren. Mag an den späten Aufnahmen technisch mancher Makel zu entdecken sein, die musikantische Geste, das Wissen um Formverläufe und Spannungsbögen, um melodische Entwicklungen vor allem, das schimmert stets durch und sicher den Aufnahmen die Wertschätzung der Connaisseurs.

Solche werden sich auch an den Schubert-Aufnahmen delektieren, die Wiedergaben der beiden Klaviertrios des Meisters dokumentieren, musiziert von Badura-Skoda mit Wolfgang Schneiderhan und Boris Pergamenschikov, dessen seidig leuchtender Cello-Ton sich dem wienerisch direkten Spiel der beiden Kollegen empathisch anzugleichen weiß.

1981 entstand im ORF-Sendesaal die Aufnahme des B-Dur-Trios. Drei Jahre später spielten die drei bei den Salzburger Festspielen das Es-Dur-Werk, der ORF war dabei. So liegen die Stücke nun im Doppelpack auf CD vor - und lassen Erinnerungen an Zeiten wach werden, in denen die österreichische Spielkultur noch zumindest in letzten Ausläufern spürbar war.

Was das bedeutet, lässt sich schwer in Worte fassen, wird aber dem sensiblen Hörer wohl bereits in den ersten Takten des Eingangsallegros von D 898 deutlich: Der schwungvolle Einstieg ist zündend, aber nicht überzogen; und Wolfgang Schneiderhans Präsentation des Hauptthemas strebt fühlbar über die ersten Takte hinaus in seine Weiterführung.. Die sanften Rubati, die er sich dabei gönnt, sind kaum messbar, aber sichern dem "Dialekt", der hier gesprochen wird, seine Authentizität. Von daher nehmen auch wunderbar zurückgenommene Momente wie der Schluss der Exposition ihre Berechtigung (wer's kontrollieren möchte: Cut 1, ab ca 3'20) . . .

Das denken in größeren Formeinheiten sichert auch längeren Abschnitten, etwa der großen Steigerungswelle in der Durchführung des Kopfsatzes im Es-Dur-Trio die dramaturgische Stringenz. Nicht ganz unwichtig ist das beim so behutsam-freundlich beginnengen Schlussatz dieses Stücks, dessen enorme Länge inklusive der Einbindung von Rückblenden auf frühere Sätze unter den Händen der drei Meistermusikanten sich spannend verdichtet. Dass die Musik aus dem Andante wiederkehrt, weckt melancholische Erinnerungen - wie (aus anderen Gründen) der Charme, mit dem Badura-Skoda die Scherzo-Sätze anführt. Ein Erinnerungsprotokoll, das - leider aus traurigem Anlass - gerade zur rechten Zeit kommt.  (Gramola)